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Eigene Forschung
Die Fluchthilfenetzwerke Marie-Claire und Marie-Odile in der Résistsance
Corinna von List
Das Fluchthilfenetzwerk Marie-Odile und seine Gründerin Gabrielle Barré de Saint-Venant, die ihre Deportation nach Ravensbrück nicht überlebt hat, standen bisher vollständig im Schatten der Engländerin Mary Lindell, bekannt auch unter ihrem zu Unrecht geführten Titel der Comtesse de Milleville. Als Initiatorin des Fluchthilfenetzwerks Marie-Claire und Agentin des MI 9 genießt sie vor allem in Großbritannien bis heute große Popularität und gilt als die britische Widerstandskämpferin par excellence.
Anhand neuer Aktenfunde in französischen, amerikanischen und Schweizerischen Archiven arbeitet diese Untersuchung die erbrachten Leistungen und eingegangen Risiken Gabrielle Barré de Saint-Venants im Widerstand heraus. Wie sich zeigte, hat sich Mary Lindell nach 1945 vielfach Leistungen Gabrielle Barré de Saint-Vernants und ihres Fluchthilfenetzwerkes Marie-Odile mittels geschickter Selbstdarstellung und der Verbreitung von Halbwahrheiten angemaßt. Mary Lindell profitierte dabei von ihrem Status einer Ravensbrück-Überlebenden.
La prison d’Anrath en Rhénanie
Corinna von List
Das Frauenzuchthaus Anrath bei Düsseldorf war während des Nationalsozialismus ein zentraler Haftort für politische Gefangene und Widerstandskämpferinnen aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Corinna von List untersucht die dortigen Haftbedingungen und die angeschlossenen Arbeitskommandos in Krefeld anhand von Prozessakten, Ermittlungsunterlagen und den Aussagen ehemaliger Gefangener.
Im Mittelpunkt stehen die systematische Gewalt, willkürliche Bestrafungen, Hunger und die menschenunwürdigen Lebensbedingungen der Häftlinge. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Zwangsarbeit in der Rheinischen Kunstseide AG und der Sack und Planfabrik Scheuring, wo die Gefangenen unter gefährlichen und vielfach gesundheitsgefährdenden Bedingungen für die deutsche Kriegswirtschaft eingesetzt wurden.
Der Beitrag rekonstruiert zugleich den britischen Kriegsverbrecherprozess von 1948 gegen Verantwortliche des Gefängnisses und der Arbeitskommandos. Die Zeugenaussagen der ehemaligen Gefangenen geben dabei nicht nur Einblick in den repressiven Alltag des NS-Strafvollzugs, sondern machen auch sichtbar, wie nach 1945 um die juristische Verantwortung für diese Verbrechen gerungen wurde.
La prison d’Anrath en Rhénanie – un lieu de déportation inconnu à travers les dossiers de la justice militaire britannique, in: Femmes en déportation. Les déportées de répression dans les camps nazis, 1942-1945
Les fonds des tribunaux allemands 1945-1945
Gaël Eismann, Corinna von List
Der Aufsatz zeigt, dass die im BAVCC in Caen überlieferten deutschen Gerichtsakten aus den Jahren 1940–1945 eine außerordentlich wichtige Quelle zur Erforschung der deutschen Besatzungsherrschaft in Frankreich darstellen.
Ihr besonderer Wert liegt darin, dass sie nicht nur die spektakulären politischen Prozesse gegen Widerstandskämpfer oder die Verhängung von Todesurteilen dokumentieren, sondern vor allem einen Einblick in den Alltag der deutschen Justiz und Repressionspraxis während der Besatzung geben.
Die Akten zeigen, wie die deutsche Herrschaft auch durch eine Vielzahl von scheinbar „gewöhnlichen“ Gerichtsverfahren durchgesetzt wurde – etwa bei Verstößen gegen Wirtschafts-, Arbeits- und Aufenthaltsvorschriften oder beim unerlaubten Kontakt mit Kriegsgefangenen.
Les fonds des tribunaux allemands (1940-1945) conservés au BAVCC à Caen. De nouvelles sources et de nouveaux outils pour écrire l’histoire de la répression judiciaire allemande pendant la Seconde Guerre mondiale?