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Adrienne Monnier

Blatt & Bild Archiv-Recherchen
Veröffentlicht von Corinna von List in Wer kennt ...? · 15 Juni 2020
Adrienne Monnier: Verlegerin und Buchhändlerin
 
Heute vor 65 Jahren starb in Paris Adrienne Monnier. Geboren wurde sie dort am 26. April 1892 und verbrachte ihr ganzes Leben in der Seinemetropole. Bereits im Kindesalter besuchten Adrienne und ihre Schwester Marie mit der Mutter regelmäßig die verschiedenen Theater und die Oper. Insbesondere die Aufführungen mit der schon seit der Jahrhundertwende weltberühmten Schauspielerin Sarah Bernhardt hinterließen bei Adrienne einen tiefen Eindruck. So wurde sie schon als Kind in die literarische Welt eingeführt und träumte fortan von einem Leben mit und für die Literatur.
 
Mit 18 Jahren legte Adrienne Monnier das „Brevet supérieur“ (vergleichbar dem Abitur eines deutschen Lyzeums) ab und ging danach für ein Jahr als Au-Pair-Mädchen nach England. Sie kehrte nach Paris zurück und absolvierte eine Ausbildung als Sekretärin. Im Anschluss daran arbeitete sie eng mit Yvonne Sarcey zusammen. Diese war Redakteurin des in Frankreich sehr populären Sonntagsmagazin "Les Annales politiques et littéraires“ mit einer Auflage von 200.000 Exemplaren. Obwohl sie in dieser Redaktion eine anspruchsvolle und vielseitige Position innehatte, blieb es ihr Ziel, sich als Buchhändlerin im Quartier Latin niederzulassen.
 
Mitten im Ersten Weltkrieg eröffnete sie am 15. November 1915 in der Rue de l’Odéon Nr. 7 im Pariser Verlags- und Universitätsviertel ihre Buchhandlung „La maison des Amis des Livres“. Diese und die nur wenige Hausnummern weiter gelegenen Buchhandlung von Sylvia Beach „Shakespeare and Company“ wurden zum Treffpunkt des literarischen Paris‘ der Zwischenkriegszeit. An beiden Orten trafen sich in familiärer Atmosphäre u. a.  Nathalie Sarraute, James Joyes, André Gide, Jacques Prevert, Ernest Hemingway und Leon Paul Fargue.
 
Während der Zeit der deutschen Besetzung von Paris zwischen 1940 und 1944  hielt Adrienne Monnier ihre Buchhandlung geöffnet und diese blieb ein literarischer Treffpunkt, wenn auch unter deutlich erschwerten Bedingungen. Vielleicht schlenderte auch einmal Gertrud Woltmann gemeinsam mit anderen Nachrichtenhelferinnen bei einem ihrer Spaziergänge durch das Quartier Latin an diesem Kleinod des Pariser Literaturlebens vorbei.
 
Infolge eines äußerst schmerzhaften, chronischen Rheumaleidens war Adrienne Monnier schließlich gezwungen, ihre längst zur Institution gewordene Buchhandlung 1951 aufgeben.
 
Angesichts des steten Fortschreitens der Krankheit und ohne Aussicht auf Heilung nahm sie sich am 15. Juni 1955 in Paris das Leben.
 
Quelle: Adrienne Monnier: Rue de l’Odeon, Paris : Alban Michel 1989
 
 


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